Wer Grenzen früh setzt, macht es seinem Kind leichter

“Das Leben ist kein Ponyhof.” In diesem Spruch steckt eine deutliche Aussage. Nicht alles im Leben ist schön. Was sich nach Schwarzmalerei anhört, ist eine wichtige Lektion, die bereits Kinder lernen sollten. Denn auch wenn Eltern auf Babygeschrei sofort reagieren, so gibt es im Leben Dinge, die nicht dem Willen der Kleinen entsprechen.

Welchen Sinn haben Grenzen in deinem Leben?

Du darfst nicht bei Rot über die Ampel fahren. Wenn deine Ampel rot ist, ist eine andere grün. Fährst du los, kann es zu einem Unfall kommen. Es gibt Sachschaden, Verletzte, vielleicht sogar Tote. Regeln sind wichtig. Nicht immer kann man sich einfach absprechen und Kompromisse finden. Manchmal braucht es klare Regeln und Grenzen. Du willst weder einen Unfall verursachen noch unschuldig daran beteiligt sein.
Das gilt auch für deine eigenen Bedürfnisse. Möchtest du keine Sahne zum Kuchen, sagst du das. Bekommst du trotzdem Sahne, bist du darüber nicht unbedingt glücklich. Selbst wenn die Sahne gut schmeckt, deine Aussage war deutlich. Jemand hat deinen Wunsch ignoriert. Du fühlst dich nicht respektiert.

All das sind Grenzen, die bekannt sind. Sie werden aufgeschrieben oder ausgesprochen und sind dazu da, eingehalten zu werden. Manche davon kann man hinterfragen, einige sind unverständlich, doch alle haben einen Sinn. Wer sie kennt, kann Probleme von vornherein vermeiden. Wer sie ignoriert, läuft geradewegs auf sie zu.

Kinder starten ohne Grenzen ins Leben

Schreit ein Baby, so sind die Eltern sofort zur Stelle. Sie versuchen es zu beruhigen, füttern es, wechseln die Windel, legen ein Kirschkernsäckchen auf den Bauch oder halten es im Arm. Das Kind macht einen Mucks und steht sofort im Mittelpunkt. Das ist der Start des Lebens. Babys wachsen in dem Glauben auf, die ganze Welt drehe sich um sie. Zumindest innerhalb der Familie mag das zu Beginn auch stimmen. Doch mit der Zeit werden sie selbstständiger und erkunden die Welt auf eigenen Beinen. Sie lernen sprechen, werden größer und stärker und entwickeln sich in alle Richtungen. Spätestens dann ist es an der Zeit, den Kleinen zu zeigen, dass sie nicht alles dürfen.

Sicherheit und Respekt sind für alle wichtig

Anfangs ist es noch lustig, wenn ein Kleinkind ein Bauklötzchen durch das Wohnzimmer wirft. Es trainiert damit seine Fein- und Grobmotorik und hat längst nicht genügend Kraft, um damit großen Schaden anzurichten. Fliegt das Bauklötzchen aber in Papas Gesicht, hört der Spaß auf. Papa wird den Angriff überleben, doch es hätte auch ein anderes Kind treffen können. Werfen ist okay, aber nicht alles und nicht überall. Das ist eine schwierige Regel, denn sie hat Ausnahmen. Ausnahmen, die Kinder nicht von selbst verstehen können. Manches müssen sie am eigenen Leib erfahren. Denke nur mal an den Klassiker im Sandkasten. Schlägt das eine Kind mit dem Schäufelchen ein anderes Kind, schlägt dieses einfach zurück. Das sind keine bösen Absichten. Die Kinder lernen allerdings sofort, dass Schlagen weh tut. Du willst nicht, dass dein Kind es auf diese Weise lernt, doch erst dann, wenn ein Kind überhaupt verstanden hat, was Schmerz ist, kannst du ihm erklären, dass es etwas nicht tun soll, weil das sonst weh tut.
Fliegt das Bauklötzchen in Papas Gesicht, tut ihm das weh. Fliegt das Bauklötzchen in ein anderes Gesicht, tut auch das weh. Darum soll das Kind überhaupt nicht damit werfen.

Es muss Ausnahmen geben

Je älter ein Kind wird, desto mehr kannst du mit Ausnahmen arbeiten. Das Kind versteht jetzt besser, was Erwachsene meinen, wenn sie etwas sagen. Es kann verstehen, dass man Steine nur in das Wasser werfen darf, nicht aber dorthin, wo Enten sind. Enten bekommen Brot. Das darf man auch werfen, aber das tut den Enten nicht weh. Ein Kind, das über einen guten Wortschatz verfügt, kann Ausnahmen verstehen. Sein Gehirn ist weit genug entwickelt, um Regeln zu verstehen und um sich in andere einzufühlen. “Wenn es mir selbst weh tut, tut es auch den anderen weh.” Darum ist erst hier der Zeitpunkt gekommen, um von den grundsätzlichen Regeln abzuweichen und diese genauer zu definieren. Es gibt nicht mehr die Regel, dass nichts geworfen werden darf. Es gibt nun Regeln dazu, was wohin geworfen werden darf.

Erklärungen machen alles einfacher

Etwas, worauf du beim Setzen von Grenzen nicht verzichten darfst, sind Erklärungen. Wie schon gesagt, dein Kind ist irgendwann alt genug, um die Regeln nicht nur akustisch zu verstehen, sondern auch nachzuvollziehen. Dazu ist es notwendig, dass du sie erklärst. Damit unterstützt du das Einfühlungsvermögen und gibst deinem Kind die Chance, Regeln kritisch zu hinterfragen. Wenn es das tut, fängt es an, sie zu verstehen. Es entwickelt nach und nach ein Gefühl dafür dass viele Grenzen dazu da sind, andere zu respektieren. Es lernt auch, dass nicht nur es selbst Grenzen respektieren soll, sondern dass auch alle anderen das tun sollen. Wenn sich alle daran halten, nicht mit Steinen nach Enten zu werfen, und einer es trotzdem tut, bekommt er Ärger. Es gibt keine Ausnahmen für einzelne Kinder. Manche Regeln gelten für alle. Andere Regeln nicht. Und auch das Kind selbst kann Regeln aufstellen. Es kann sagen, dass es etwas nicht möchte und lernt, dies auszudrücken. Es kann sogar erklären, warum es das nicht möchte. So wie es selbst die Grenzen anderer respektiert, so möchte es auch, dass seine Grenzen respektiert werden. Je häufiger dies geschieht, desto leichter fällt es dem Kind, Grenzen als Notwendigkeit anzuerkennen.

Eine wichtige Lektion für das ganze Leben

Grenzen und Regeln zu kennen, zu hinterfragen und zu respektieren begleitet dich dein ganzes Leben lang. Deine Kinder, deine Freunde, wir alle müssen damit leben. Nicht alle Regeln mögen dir gefallen, doch du hast verstanden, dass viele von ihnen notwendig sind. Oftmals dienen sie zum Schutz, manchmal sind sie eine Frage des Respekts. Lernen deine Kinder früh, dass es solche Grenzen gibt und dass sie selbst welche setzen können, erfahren sie, was es heißt, respektiert zu werden. Ihre Chance, sich angemessen zu wehren, wenn dies einmal nicht gelingen sollte, steigt damit ungemein an. Statt mit Gewalt lösen sie ihre Problem von Beginn an mit Worten und Respekt.